Aug
10
Written by:
frank zindel
10.08.2009
Ich liege mitten in der Nacht am Strand im weißen, warmen Sand, irgendwo auf dieser faszinierenden Insel Boavista, mit ihrer unglaublichen Landschaft, die anders ist als alles, was ich zuvor gesehen habe. Ich schaue Richtung Meer, wo die Wellen unaufhörlich rauschen, betrachte den üppigen Sternenhimmel und bin zufrieden. Neben mir nistet eine unechte Karettschildkröte, Caretta caretta, der Grund warum ich hier bin. Sie ist groß, wunderschön und gerade dabei, ihre perfekt runden, strahlend weißen Eier in das von ihr zuvor angefertigte Loch fallen zu lassen. Nie hätte ich gedacht, wie geschickt diese Tiere ihre Hinterflossen – wie Hände – benutzen. Jetzt muss sie die Eier herauspressen, wobei sie bei jeder Anstrengung die Flossen anspannt, was sie irgendwie menschlich macht. Obwohl ich den Nistvorgang nun schon oft miterlebt habe, bin ich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Ich bin dankbar für diese einzigartigen Begegnungen, bin dankbar für diese Nacht, dankbar, hier zu sein und zum Schutz dieser gefährdeten Tiere beizutragen…
Meine Gedanken werden von einem lauten Schnauben unterbrochen. Die Schildkröte hat angefangen, das Loch mit ihren Hinterflossen wieder zuzuschaufeln. Gewissenhaft wird sie ihre kostbaren Eier sorgfältig mit Sand bedecken, ihn dann festkneten, um anschließend – um die Tarnung perfekt zu machen – mit den Vorderflossen in hohem Bogen lockeren Sand drüber zu werfen. Der Gedanke daran lässt mich schmunzeln. Ich schaue auf die Uhr und weiß, dass ich den kommenden Tag wahrscheinlich wieder übermüdet sein werde, dass es heiß sein wird, und dass es vielleicht wieder „Cachupa“, ein einheimisches Gericht, zu essen geben wird, dass wir aber vielleicht auch einen Ausflug machen, im Meer schwimmen werden, dass wir irgendetwas bauen, basteln oder entwerfen– es gibt viel zu tun – oder dass ich möglicherweise auch einfach nur schlafen und faulenzen werde, um in der nächsten Nacht wieder am Strand zu sein.
Manche mögen meinen, dass es dumm ist, während seines Urlaubs zu arbeiten – und das auch noch freiwillig. Aber ich gehöre nun mal zu den Menschen, die ihre Zeit gerne sinnvoll verbringen, die sich für Tierschutz interessieren und engagieren, und die wissen, dass man auf diese Art und Weise unbezahlbare Erfahrungen sammelt: Bei der Arbeit mit den Tieren, der Nähe zu den Einheimischen und ihrer Kultur, mit den netten Menschen, die man kennen lernt, und all den anderen Dingen, die man dazulernt, wie zum Beispiel, einen Geländewagen durch die Wüste zu fahren.
Während ich mir diese Gedanken mache, fliegt neben mir in kräftigen Schüben Sand durch die Luft. Ich schaue zur Schildkröte hinüber. Sie hebt den Kopf, guckt mich an und seufzt laut. Als sie ihren schwerfälligen Körper schließlich langsam Richtung Wasser bewegt, richte ich mich vorsichtig auf und klopfe mir den Sand von der Kleidung. Ich schaue der Schildkröte nach, wie sie langsam im Wasser verschwindet. Für dieses Mal ist sie gerettet. - Ein schönes Gefühl.
Astrid Mittelstaedt, Sommer 2009
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1 comments so far...
AW: Ein Volontariat bei der Turtle Foundation - der etwas andere Strandurlaub
Welche ein ergreifender Bericht von einem wunderbaren Erlebnis. Vielen Dank Astrid
By Margrit on
14.08.2009
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