September 4, 2009 - Joana Hancock
"WAR GAMES"
It's been an extremely busy season. Many reasons have led us to be quiet for several weeks, really too busy to contact with the outside world.
Work has been hard. Just a few days after our last post, the patrol found in Canto Beach, at 11p.m., a turtle whose flippers had just been cut off while she was returning to the sea. The turtle was still alive, and in obvious agony. Both soldiers and volunteers, extremely distressed with the situation, considered performing euthanasia, however unsuccessfully, and it took the turtle several hours to die. Moral was lower than never in our camps. Our team of volunteers and soldiers, usually chatty and happy, were quiet for several days, accumulation anger and developing strategies to end this slaughtering. Poaching documented in Canto (a 3Km beach) has been generally low, but poachers have their own strategies, and keep an eye on us at all times, controlling our patrol times, and movements. One of the strategies used is to "steal" the turtles on their return to the water, once they reach the low-tide area of the beach, so that we do not suspect of any poaching activity, as their footprints will be washed away by the incoming tide. Also concerned with the situation, and in appreciation of our work, several locals have been providing us information about the poachers activities, and we are regularly informed that up to 6 turtles get slaughtered every night in the unprotected beaches between Canto, Norte and Porto Ferreira. Members of Natura 2000, another organization, give accounts of poaching being on the rise on their beaches. As Turtle Foundation members, and working with the military, we feel the urge to do immediate action, but still it is impossible to get to all the places with the amount of people we work with. Undercover missions are developed in a regular basis, strategies are developed, still it does not seem enough, we are becoming tired and frustrated sometimes. Not everything is good in Boavista, time is running out for these turtles!!!
The influence of our work in the beaches where we work however is obvious. Sometimes, on the negative side. With the arrival of the rainy season, we have been prevented to reach our beaches on several occasions. Poachers have been taking this opportunity, and 3 turtles were killed in Norte beach last week. This shows that the turtles do not stand a chance when we are not on the beach, but when we are, they are protected.
Generally, our figures show that in the beaches that we directly protect, mortality has been kept under 5%, which has been extremely encouraging!
On the other hand, poachers are moving on to other, non-protected beaches as alternative, where in Boa Esperança and Varandinha the amount of turtles killed here is heartbreaking. The smell of dead turtles invades our bodies and souls as soon as we enter the beach. Two young men reportedly killed 14 turtles in 2 days on Boa Esperança beach, the beach that we intended to protect this year, but couldn't for unavailable funds. We are desperately trying to secure funds for next season, before it is too late for the turtles of this beach.
Motivation comes directly from our numbers, and locals. A lot of local people have approached us during the season, saying that we've been doing a great job. A young doctor, that lives in João Galego, in the North where we work, said that the impact of Turtle Foundation has been enormous. In his account, just two years ago anyone would go to the beaches and kill turtles, and several hundred were taken each season from our now protected beaches, and openly sold door by door. Now, since we've been in the area, although there is consumption and sale, this is much lower and considered as a high risk activity (poaching).
The will is here, motivating goes up and down, but at the end, the future of Cape Verdian's turtles is in their hands. It’s a challenge.
4. September 2009 - Joana Hancock
"WAR GAMES"
Diese Nistsaison nimmt einen ganz schön mit. Dass wir über Wochen nichts hören ließen, liegt einfach daran, dass wir total eingespannt waren und die Außenwelt nicht wie gewohnt auf dem Laufenden halten konnten.
Die Arbeit ist hart. Nur einige Tage nach unserem letzten Bericht fand eine Patrouille nachts um 23:00 Uhr eine Meeresschildkröte, deren Extremitäten kurz zuvor abgetrennt worden waren. Sie war offensichtlich gerade dabei gewesen, sich wieder ins Meer zurück zu schleppen. Jetzt lag sie im Todeskampf. Unsere Soldaten und die freiwilligen Helfer traf diese Situation wie ein Schlag ins Genick. Sie versuchten das Tier von seinem Leiden zu erlösen – jedoch erfolglos; und so dauerte es mehrere Stunden, bis die Schildkröte schließlich tot war. Nie war die Stimmung in unseren Camps gedrückter als in den Tagen danach. Der Soldaten¬trupp und unsere Freiwilligen, ansonsten eine ständig plaudernde und gut gelaunte Mannschaft, war für mehrere Tage eher still. Wut, aber auch Überle¬gungen, das Abschlachten an den Stränden noch besser in den Griff zu kriegen, beherrschten alle.
Am Strand von Canto (3 km lang) sind „Wilderer“ meist nicht sehr zahlreich, aber sie haben eigene Strategien entwickelt. Wir nennen sie zumeist poachers (engl.), da „Wilderer“ ja fast verharmlosend für diese Abschlächter hier klingt. Sie behalten uns übrigens rund um die Uhr im Blick, checken unsere Patrouillenzeiten und sonstige Aktivitäten. Einer ihrer Tricks besteht darin, die Turtles genau dann zu packen, wenn sie gerade dabei sind, bei Ebbe ins Wasser zurückzukehren. Wenn wir es nicht direkt sehen, bekommen wir möglicherweise nichts mit, da die aufkommende Flut keine Fußspuren mehr erkennen lässt. Sogar Einheimische versorgen uns inzwischen mit Informationen über die poachers (Abschlächter).Das geschieht, weil die Lage sie betroffen macht, aber auch weil sie unsere Arbeit schätzen. So hören wir immer wieder, dass bis zu sechs Turtles pro Nacht an den unbewachten Stränden zwischen Canto, Norte und Porto Ferreira getötet werden. Mitglieder von Nature 2000, einer anderen Naturschutzorganisation, berichten, dass das Abschlachten auch an ihren Stränden zunimmt. Als Mitarbeiter der TURTLE FOUNDATION, die auf Militärhilfe zurückgreifen können, fühlen wir uns regelrecht genötigt, auch hier umgehend aktiv zu werden. Jedoch haben wir einfach nicht genügend Leute, um all diese Stellen auch noch zu sichern. Regelmäßig führen wir verdeckte Aktionen durch und entwickeln neue Vorgehensweisen – aber es reicht einfach nicht. Manchmal sind wir dann doch müde und frustriert. Vieles auf Boavista liegt noch im Argen und die Zeit für die Meeresschildkröten verrinnt!!!
Trotz allem: es ist offensichtlich, was an den Stränden bewirkt wird, wenn wir präsent sind – aber auch, wenn wir es einmal nicht schaffen. So war es mit dem Beginn der Regenzeit mehrmals unmöglich, unsere Strände wie geplant zu erreichen. Die Poachers nutzten prompt ihre Chance und töteten letzte Woche drei Meeresschildkröten am Strand von Norte. Es zeigt, wie schlecht die Chancen für die Turtles stehen, wenn wir einmal nicht da sind. Aber wenn, dann passiert ihnen nichts! Insgesamt nämlich haben wir die Todesrate an den Stränden, die wir direkt bewachen, auf unter 5% gedrückt. Das ist es, was uns unglaublich Mut macht!
Im Gegenzug suchen Abschlächter andere, nicht-geschützte Strände auf. So ist die Zahl der Turtles, die in Boa Esperanca und in Varandinha abgeschlachtet werden, richtig niederschmetternd. Der Gestank, der von den getöteten Tieren über den Strand weht, haut einen fast um, nicht nur körperlich. Wir haben gehört, dass zwei junge Männer an zwei Tagen vierzehn Meeresschildkröten am Strand von Esperanca umgebracht haben. Genau diesen Strand wollten wir ja dieses Jahr schützen! Aber die nötigen Mittel hatten wir nicht zusammenbekommen. Lasst uns wirklich alles versuchen, um für nächstes Jahr die nötige Unterstützung zu bekommen, bevor es an diesem Strand zu spät ist!
Ansporn und Ermutigung erfahren wir durch uns selbst – aber auch durch Einheimische. Viele Leute hier sind während der Nistsaison auf uns zugekommen, um uns zu sagen, was für gute Arbeit wir machen. Ein junger Arzt aus Joao Galego meinte, die Veränderungen dank der TURTLE FOUNDATION wären enorm. Seiner Einschätzung nach wären die Leute noch vor zwei Jahren einfach an den Strand gegangen, um Meeresschildkröten zu töten. Mehrere hundert wären an unseren nun geschützten Stränden in jeder Nistsaison abgeschlachtet worden und an jeder Haustür verkauft worden. Auch wenn immer noch Schildkrötenfleisch gehandelt und verzehrt wird, seitdem wir hier vor Ort sind ist das sehr zurückgegangen, es gilt als Wilderei und ist somit sehr riskant.
Der Wille ist da, die Motivation ist mal höher, mal weniger hoch, aber am Ende ist es die kapverdische Bevölkerung, die über die Zukunft ihrer Schildkröten entscheiden wird. Unsere Arbeit ist eine Herausforderung.